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ie bei fast allen anderen Tieren kommt der Erziehung des Nachwuchses auch beim Tiger eine besondere Rolle zu. Bis aus wenige Jahre im Leben einer Tigerin ist diese mit der Erziehung beschäftigt. Männliche Tiger haben mit der Erziehung nur äußerst selten zu tun.

Nach einer Schwangerschaft von circa 95 bis 118 Tagen bringt eine Tigerin im Schnitt zwei Welpen zur Welt. Als Extrema kann man ein Junges oder mehr als sechs Jungen angeben. Der Abstand zwischen den Geburten der einzelnen Babytiger schwankt von 20 bis 40 Minuten. Ein gesamter Geburtsvorgang kann also über zwei Stunden dauern. In einem Ausnahmefall berichtete K. S. Sankhala von einer 12 Stunden dauernden Geburt.

Die Tigerin hat zwei Zitzenpaare und kann also vier Junge gleichzeitig Säugen. Bei großen Würfen kann es vorkommen das eine Tigerin einige ihrer Nachkömmlinge töten und auffrisst. Dies kann man auch beobachten, wenn das Muttertier sehr erregt ist. Ebenso kann man feststellen, daß ältere Tiger Jungtiger fressen, die von der Mutter allein gelassen wurden, da diese auf Jagd gegangen war. Dieser Kannibalismus ist keinesfalls so selten wie man annehmen mag. Es gibt z. B. in Indien Gebiete in denen zumeist subjektiv betrachtet mehr weibliche als männliche Tiger leben. Daher rührt der Glaube das erwachsene Tiger nur die männlichen Jungtiger töten, da diese im Gegensatz zu den Weiblichen später eine Gefahr für sie sein könnten. Obwohl sich diese Annahme in Indien hartnäckig hält konnte bis heute kein wissenschaftlicher Beweis für die These erbracht werden.

Bei der Geburt sind die Jungtiger etwa so groß wie eine ausgewachsene Hauskatze. Die männlichen Tigerwelpen wiegen bei der Geburt zwischen 1.300 und 1.900 Gramm während die weiblichen Tigerwelpen "nur" zwischen 650 und 1.300 Gramm auf die Waage bringen. Diese Angabe stammen von 1964 und wurden von L. S. Crandall berichtet. Auch hier kann man deutlich einen Sexualdimorphismus erkennen. Ähnlich wie beim Menschen gibt es natürlich auch hier sogenannte "Frühchen", die in freier Wildbahn meistens keine Chancen haben, aber in den meisten zoologischen Gärten einer Mortalitätsrate von, immerhin, nur 48% haben.

Die neugeborenen Tiger sind sowohl blind als auch taub, da der äußere Gehörgang noch geschlossen ist. Innerhalb der ersten bis zweiten Lebenswoche öffnet sich der Gehörgang und nur wenig später auch die Augen. Neben den ersten Blicken und Geräuschen spielt also der Geruch in den ersten Tagen eine große Rolle für die Bindung des jungen Tigers an die Mutter (Erzieher - falls eine Erziehung durch den Menschen statt findet). Nachfolgend kann ein "Fahrplan" für ersten wichtigen Abschnitte im Tigerleben betrachtet werden.

Unterart
Gehörgangsöffung (t)
öffnen der Augen (t)
erstes Gehen (t)
Geschlechtsreife (m)
Panthera tigris tigris
11 (3 - 17)
12 (5 - 21)
17 (12 - 22)
49 (39 - 61)
Panthera tigris altaica
10 (3 - 16)
11 (4 - 20)
17 (12 - 22)
48 (37 - 60)
Panthera tigris sumatrae
12 (5 - 15)
13 (7 - 22)
17 (13 - 25)
48 (37 - 62)

 

Die Fellzeichnung entspricht ebenfalls der eines erwachsenen Tiger und ist lediglich etwas heller. In den ersten Lebensjahren ist ein junger Tiger ausschließlich auf das Jagdgeschick und die Fürsorge seiner Mutter angewiesen, denn das Männchen beteiligt sich nicht am aufziehen, wie bereits erwähnt. Sollte der Vater der Jungen aus irgendwelchen Gründen länger Zeit in der Nähe bleiben oder den Jungen später einmal zufällig über den Weg laufen, haben diese meistens nicht von ihm zu befürchten, wenn sie (die Jungtiger) sich angemessen verhalten. Was man nun unter angemessen auffasst hängt wohl vom einzelnen Tiger ab.

Tigerjunge nehmen relativ schnell an Größe und Gewicht zu, so wiegen sie beispielsweise sechs Monate nach der Geburt grob geschätzt 30 kg. Der erste Satz Zähne (Milchzähne!!) ist nach ungefähr 1,5 Monaten ausgebildet und die kleinen Tiger beginnen mit der Fleischaufnahme in kleinen Mengen, doch werden auch weiterhin (bis etwa ein halbes Jahr nach Geburt) von der Mutter gesäugt. Der Wechsel zum Langzeitgebiss findet etwa im letzten Viertel des ersten Lebensjahres statt. Um eine grobe Übersicht zu geben, folgen zwei Tabellen über die Gewichtsentwicklung und Zahndurchbruch bei Tigerwelpen.

Unterart
6 Monat
9 Monat
1
Jahr
2
Jahr
3
Jahr
4
Jahr
Gewichtszunahme
pro Tag (ersten Monate)
Gewichtszunahme pro Tag im Durchschnitt
Amurtiger (männchen)
35
70
120
195
250
bis 380
86g (50 - 105g)
192g
Amurtiger (weibchen)
18
30
70
105
135
bis 200
41g (20 - 54g)
116g

alle Angaben in Kilogramm (kg), wenn nicht anders ausgewiesen


 
Durchbruch des .... Zahnes (in Tagen nach der Geburt)
Beginn des Zahnwechsels zum Langzeitgebiss (Monat)
i1
cmand
p4
p4
Panthera tigris (alle)
26
38
53
62
8,3

das Zahnwachstum an sich verläuft sehr homogen und ausgeglichen, wenn das Langzeitgebiss nach ca. 8 Monaten das Milchzahngebiss ersetzt.
Bei einem ausgewachsenen männlichen Tiger können die Caninae beachtlich 90mm erreichen: siehe Anatomie - Zahnformel

 

Der Indische Tiger verlässt seine Mutter im Mittel mit zwei Jahren. Während dieser Zeit lernt er von seiner Mutter alles was er braucht um alleine zu überleben. Es ist von zahlreichen Katzen- oder allgemein Tierarten bekannt, daß die Jungtiere ihrer Primärbeute fangen, aber nicht (gleich) töten. Die Mütter bringen ihrem Nachwuchs das ungefährliche "Übungsobjekt", demonstrieren ihnen was sie zu machen haben, und beäugen dann ihren Nachwuchs, wie dieser die Lektion umsetzt. Dieses Schauspiel mag grausam anmuten, ist aber für die Erlernung von Jagdfertigkeiten essentiell von Nöten. Hin und wieder kommt es aber auch vor, daß das gefangene Jungtier nach Beendung der Jagdlektion, machmal mit Blessuren oder machmal auch unverletzt, wieder laufen gelassen wird - es ist jedoch ehr die Regel das Junge des Beutetiers zu töten und zu verzehren.

Bei der Erziehung der Tigerwelpen durch den Menschen treten in der Regel keine größeren Komplikationen auf. Neben den üblichen Problemen, wie das Katzenwelpen ihre Flasche nicht in Rückenposition (mit dem Rücken liegend) bekommen dürfen, um Erbrechen vor zu beugen, gibt es allerdings ein Phänomen, auf das ein Laie nicht vorbereitet sein dürfte. Das ablecken der Mutter hat neben einem Säuberungsaspekt auch noch andere Wirkungen. Es fördert neben der Verdauung selbst auch die Abführung bereits verdautem. Beim Ablecken des Bereiches um den After wird ein Reflex zum koten ausgelöst. Zellstoff und warmes Wasser, wie bspw. ein feuchtes Tuch wird meist von Menschen verwendet, um diesen Abführungsrefelx zu stimulieren. Das besagte Tuch wird bei dem kleinen Tiger an den After gerieben. Wenn dies nicht gemacht wird, dann stribt der kleine Tiger nach wenigen Tagen an Verstopfung bzw. Darmdurchbruch. Nach ein paar Wochen benötigt der Tiger jedoch keine Hilfe mehr (*g*). Der einzige zungenähnliche Ersatz den der Mensch bieten kann ist die Hand. Man könnte also sagen, daß wenn man seinen Tigerwelpen in den ersten Wochen und Monaten nicht ausreichend streichelt, man Gefahr läuft sein (des des Welpen) Leben negativ zu beeinflussen - Vernachlässigung!!!

Das sich mit der Hand aufgezogene Tigerwelpen sehr schnell an den Menschen gewöhnen ist ebenfalls aus zahlreichen Studien bekannt. Einige Wissenschaftler bezeichnen dieses Phänomen als Fehlprägung auf den Menschen und postulieren, daß so aufgezogene Tiger neben schlechten Eltern auch für die Zucht nicht mehr zu gebrauchen sind. Eine in meinen Augen etwas sehr fadenscheinige Behauptung. Eines kann man jedoch nicht von der Hand weisen: Alle Katzen, egal ob Tiger oder Hauskatze, die von Menschen aufgezogen worden sind, werden zwar körperlich erwachsen, bleiben aber innerlich immer kleine verspielte Katzen. Da man in zoologischen Gärten dies nicht erreichen will, wird die Zeit des Kontaktes mit dem Menschen so gering wie möglich gehalten (!!).

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© 2001 by Marc "Sesshoumaru" Meiner