n diesem Kapitel möchte ich mit den kleinen Gesten die ein Tiger
seiner Umwelt zukommen lässt beschäftigen. Zwischen den einzelnen
Kaptitel der Körpersprache bestehen gerade hier enge Verknüpfungen.
Neben den körperlichen Gesten möchte ich eine besondere hörbare
Geste erwähnen. Viele der Schlussfolgerungen kann man auch für
alle Katzen ziehen und können deswegen nicht als spezifisch für
den Tiger bezeichnet werden.
Als erstes möchte ich mich mit den sogenannten Begrüßungsritualen
beschäftigen. Der Tiger unterscheidet hier prinzipiell zwischen
Personen oder anderen Tieren die er kennt und denen er vertraut oder
unbekannten. Es ist auch eine Fehlinterpretation zu behaupten, daß
der Tiger eine unbekannte Person gleich angreift. Jedoch wird diese
Person mißtrauisch beäugt und keinesfalls aus den Augen gelassen.
Nur wenn eine Provokation erfolgt kann es zu einem Angriff kommen, obwohl
man besser von Verteidigung sprechen sollte. Bei Familienmitglieder
oder Personen die als solche akzeptiert sind beobachtet man je nach
Situation zwei unterschiedliche Begrüßungen. Sollte der Tiger
schläfrig (zu faul zum Aufstehen) sein, dann kann man sehen, wie
er sich auf dem Boden rollt und die Beine nach oben streckt, so daß
man den Bauch sehen kann. Dies ist ein Zeichen, daß diejenige
Person sehr hohes Vertrauen besitzt, da der Tiger ihm sonst nie diese
verwundbare Stelle entgegenstrecken würde. Viele Menschen interpretieren
dieses Verhalten als Einladung den Tiger am Bauch zu streicheln, jedoch
wird dies in den meisten Fällen mit einem Prankenschlag abgewehrt.
Bei einem Tiger sollte man sich es zwei mal überlegen es darauf
anzulegen. In einigen Fällen jedoch hat der Tiger eine so enge
Beziehung mit dem Betreffendem, daß er sich auch am Bauch kraulen
lässt. Dies ist ein Zeichen für das höchst mögliche
Vertrauen. Sollte man diesen Status erreichen, dann hat man mit Sicherheit
nichts von seinem Tiger zu befürchten - nur beim spielen sollte
man dennoch etwas auf der Hut sein. Mit unter streckt er auch die Krallen
aus, fährt sie gleich wieder ein und zusätzlich läst
sich noch ein ausgiebiges Gähnen beobachten. Jeder der nicht mit
dieser Verhaltensweise vertraut ist schreckt meisten zurück, wenn
der Tiger ihm die Zähne zeigt, aber wie eben gesagt ist dies Teil
einer Begrüßung. Die zweite Form der Begrüßung
ist etwas aktiver als die Erste. Genauer gesagt steht der Tiger auf
und läuft zu ihnen und würde sich an ihnen reiben. Jeder der
einen Stubentiger hat kennt dieses Verhalten auch, wenn sich das Kätzchen
an ihnen reibt und um ihre Beine herum schleicht. Natürlich ist
es schon etwas anderes, wenn ein Tiger dies bei einem macht.
Über das reiben an den Beinen möchte ich aber noch ein paar
Worte verlieren. Das reiben der Flanken hat natürlich auch eine
zweite wichtige Bedeutung. Ohne das sie er merken hat der Tiger sie
mit seinem Duft parfümiert. Diesen Duft werden sie nicht riechen,
denn die Nase des Menschen ist nicht in der Lage diesen feinen Geruch
zu erkennen. In der Regel findet dieses Ritual mehrere Male statt. Wenn
man während dieser Situation seine Tiger noch am Rücken oder
Kopf streichelt, dann fördert man dieses Verhalten und wird "geknufft".
Bei der Größe und Kraft eines Tiger sollte dem Tiger jedoch
früh zu verstehen geben, daß er nicht zu fest zudrückt.
Wenn man einer Hauskatze die Hand in so einer Lage vor den Mund hält,
dann drückt sie mit dem Kopf dagegen oder stupst die Hand mit der
Nase an. Mir liegen keine Informationen über den Tiger in diesem
Punkt vor, also kann ich ein solches Verhalten werde ausschließen
noch bestätigen. Nachdem dieses Ritual beendet ist, setzt oder
legt sich der Tiger meistens wieder hin und fährt mit dem fort,
was er vorher gemacht hat (z. B. putzen).
Als letztes (!fast!) zu dem Thema Begrüßungsritual möchte
ich auf einen, gerade beim Tiger interessanten, Aspekt hinweisen. Bei
unseren Hauskatzen kann man manchmal beobachten, wie sie beim Begrüßungsritual
versuchen sich größer zu machen indem sie sich auf die Hinterbeine
stellen und hochspringen. Dieses er Umstand rührt aus der Kindheit.
Die Mutterkatze ist um einiges größer als ihre Kinder. Wenn
die Welpen also ihre Mutter begrüßen, dann müssen sie
sich eben etwas größer manch oder warten bis die Mutter sich
zu ihnen beugt. Beim Menschen ist dies nichts anders. Die Katze möchte
sich zur Begrüßung an ihrem Kopf reiben und dieses aufbäumen
ist nur der Versuch sich größer zu machen um dies zu ermöglichen.
Wenn man an den Tiger denkt, dann ist es genau das Selbe. Als kleiner
Welpe ist er zu klein um sich an ihrem Kopf zu reiben. Allerdings ändert
sich dieser Zustand recht schnell. Sobald er groß genug ist, wird
er manchmal bei der Begrüßung hochspringen und sich dabei
an ihnen festhalten. Wie im Kapitel über die Anatomie bereits gesagt
wurde, ist ein Tiger wenn er sich auf die Hinterbeine stelle in den
meisten Fällen größer als ein Mensch. Sie sollten also
einen festen Stand haben, wenn sich der Tiger dann auf sie stützt.
Für die meisten Mensch wird es sicherlich nie zu dieser Situation
kommen, aber dennoch ist es nicht verkehrt zu wissen, daß einer
Tiger keine brutale Bestie ist, sondern auch nur eine Katze - wenn auch
eine sehr große und starke!!!
Eine sich in diesem Zusammenhang ergebende Frage ist, warum sich der
Tiger oder die Katzen im allgemeinen so gerne streicheln lassen. Nun
dieses Verhalten lässt sich relativ einfach beantworten. Das streicheln
mit den Händen kommt dem Lecken der Mutter über das Fell der
kleinen Tigerwelpen ziemlich nahe. Nahe genug als das der Tiger einen
für seine Mutter halten kann. Bei Tigern, die von Menschen großgezogen
wurden, kann man dieses Verhalten auch noch im erwachsenen Alter auch
noch nach der Geschlechtsreife beobachten. Wie bereits erwähnt
mag der Tiger körperlich erwachsen sein, aber innerlich immer ein
kleiner Welpe bleiben, da es durch die Erziehung durch den Menschen
für den Tiger nie nötig geworden ist erwachsen zu werden um
selbst zu jagen. Nur wenn dies gezielt trainiert wird, kann man dies
vermeiden. Je nach dem Charakter des Tigers hat man einen Tiger erzogen
der auch in der Natur bestehen könnte oder man hat sich einen "Kuscheltiger"
erzogen. Mir ist klar, daß sich sehr viele Menschen dies nicht
vorstellen können, aber es sind durchaus Fälle bekannt bei
denen genau dies möglich war. Dennoch ist es nie ratsam zu vergessen
wie stark der Tiger wirklich ist und Instinkte zwar unterdrückt,
aber nicht ausgelöscht werden können.
In diesem Abschnitt beschäftigte ich mich fast ausschließlich
mit der Begrüßung, da diese sehr häufig vorkommt. Obgleich
ich eigentlich nichts mehr zur Begrüßung sagen wollte, muß
ich aber noch wie versprochen die hörbare Komponente ansprechen.
Gemeint ist das sogenannte Prusten. Über einen Laut zu reden und
ihn beschreiben zu wollen ist immer etwas kompliziert. Deswegen habe
ich in der Soundgalerie eine "Hörprobe" hinterlegt. Aus
zoologischen Gärten ist dieser Laut sehr gut bekannt - vor allem
bei Tigern die handaufgezogen wurden. Sobald der Tiger eine vertraute
Person (oder auch anderen vertrauten Tiger) erblickt, wird er ihn begrüßen.
Leider ist es in Zoos nicht möglich Körperkontakt zu ermöglichen
(ich glaube die Gründe sind ersichtlich und nicht immer beim Tiger
zu suchen), deshalb wird es ein Tiger nie versäumen denjenigen
wenigsten mit den Prusten zu grüßen. Sollte dies ausbleiben,
kann man mit einiger Sicherheit sagen, daß man nicht sehr hoch
im Kurs bei dem Tiger steht und es besser ist einen direkten Kontakt
strickt zu vermeiden.
Mir ist klar nur einen kleinen Teil der Gesten herausgegriffen zu haben,
dennoch hoffe ich dazu bei getragen zu haben, den Tiger in einem anderen,
richtigeren, Licht zu sehen. Wer noch Fragen zu diesem Themenkreis hat,
der kann mir einfach eine EMail schicken - ich werde dann so schnell
und akkurat wie möglich antworten: 
PS: Sie sollten aber auch noch in die Kategorie "Mißverständnisse
und was man wissen sollte..." sehen.